Flexiteek statt TBS

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havanna
Beiträge: 13
Registriert: 06.12.2021, 23:09

Flexiteek statt TBS

Beitrag von havanna »

Der Beitrag hier betrifft unsere Dehler 28. Da das Thema jedoch übergreifend ist, schreibe ich es einmal hier unter der Rubrik "Arbeiten am Schiff"....

Wir hatten im Winter 2021/2022 gebraucht eine Dehler 28s gekauft, die ihre Jahre im Charter lief. Der vorherige Eigner hatte vier Schiffe am Bodensee, die er angeboten hatte. Altersbedingt hatte er das Charter-Geschäft aufgegeben.
Da die Dehler 28s Preis/Leistungsmäßig in unser Muster passte, wurden wir uns schnell einig.

Im Sommer 2022 segelten wir das Boot intensiv auf dem Bodensee. Eine Sache, die uns optisch und gefühlt störte, war das Deck - genauer gesagt der TBS Belag, der vom vorherigen Eigner irgendwann einmal mit Antirutsch-Farbe überstrichen wurde.
Dabei wurde der TBS Belag wohl nicht richtig appliziert (gereinigt und entfettet) was zu den hässlichen Abplatzern geführt hatte. "Gefühlt" deshalb, weil der Belag im Sommer kochen heiß wurde.

Ich habe dann zuerst versucht, das mit neuem Interdeck zu retten (auf dem Foto der Ankerkastendeckel). Aber eigentlich blieb die Erkenntnis, dass das nicht mehr zu retten ist.
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Nach einigen Recherchen stand für uns fest, dass wir den TBS Belag durch Flexiteek ersetzen möchten.
An der Interboot 2022 erkundigten wir und entschieden uns dafür das Deck in Eigenarbeit zu erneuern.

Das Entfernen des alten TBS Belags stellte sich dann als das größte Problem dar. Gem. einer Empfehlung, die ich irgendwo gelesen hatte, schnitt ich 5 bis 7 cm breite Streifen die ich dann abzog.
Darunter kam eine Filzschicht zum Vorschein und darunter war der eigentliche Kleber.

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Ich hatte einige Versuche unternommen wie der Hinweis bei Marina-Teams mit Aceton, einen Multimaster gekauft, Spachtel versucht u.a. Aber das waren alles vergebliche Versuche.
Über ebay Kleinanzeigen fand ich Kontakt zu einem anderen Dehler 28 Eigner der auch in Eigenarbeit den TBS Belag entfernt und durch Flexiteek ersetzt hatte.
Mit ihm konnte ich mich intensiv austauschen und er sendete mir zahlreiche Fotos seiner Aktion. Von ihm bekam ich den Tipp "Bohrnmaschine mit Drahtbürstenaufsatz". Wenn man das geschickt und vorsichtig macht (der Winkel spielt hier eine Rolle) dann bekommt man das Zeug herunter ohne das Gelcoat wesentlich zu beschädigen. Kleinere Kratzer die vielleicht einmal passieren sind nicht relevant da ja sowieso wieder PU Kleber und Flexiteek darüber kommt.

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Letztendlich bleibt es eine Schxxxx Arbeit. Für das Entfernen des TBS Belags benötigte ich ca. 40 Stunden (verteilt auf sieben Tage).
Insbesondere die stundenlange Arbeit auf den Knien oder kniend ist echt anstrengend gewesen.

Vom oben erwähnten Kontakt erhielt ich auch ein Foto seiner Rechnung von dem bekannten Anbieter für Flexiteek in Deutschland.
Im Herbst waren wir dann auf der Interboot in Friedrichshafen und fanden dort einen Anbieter der seinen Sitz hier in der Nähe hat.
Überraschend war, dass das Angebot des Anbieters hier am See, obwohl zwischen dem Angebot des einen und dem Angebot unseres Anbieters zwei Jahre lagen, deutlich günstiger.

Beim Vergleich der beiden Angebote lag der Unterschied vor allem in der Berechnung der Fläche. Beim "bekannten" Anbieter wurde die Fläche mit 6,4 qm berechnet. Unser Anbieter berechnete die Fläche mit 4,7qm (zuerst mit 4,35qm - dazu später mehr).
Wir hatten auch von dem bekannten Anbieter ein neueres Angebot erhalten. In Summe machte das alleine beim Flexiteek einen Unterschied von 600 Euro aus.
Daher mein Tipp: Unbedingt verschiedene Anbieter vergleichen. Wer wissen möchte, woher wir unser Flexiteek bezogen haben, kann gerne eine PN schreiben.

Wie es der Zufall ergab, bekam mein Lieferant im Herbst letzten Jahres den Auftrag das Flexiteek für eine Dehler 28 in der Schweiz herzustellen. Dadurch hatte er dann schon die Schablone die er mir zur Kontrolle zur Verfügung stellte.
Einige Wochen nach dem Besuch auf der Interboot stellte unser Anbieter fest, dass er sich bei der Berechnung der Fläche etwas zu seinen Ungunsten verrechnet hatte (s. oben). Er entschuldigte sich mehrmals, sendete ein korrigiertes Angebot und bot dafür an, das Kleben des Flexiteeks mit mir zusammen zu machen und seine Gewichte zur Verfügung zu stellen. Da die Differenz lediglich ca. 150 Euro betrug, ging ich gerne auf das Angebot ein.

Das Kleben des Flexiteek ging dann ziemlich schnell. Es dauerte ca. 4 Stunden wobei 70% der Arbeit eigentlich mein Lieferant gemacht hat. Ich half lediglich beim vorherigen Abziehen mit Aceton und beim Verteilen der Gewichte. Die Feinanpassung, aufbringen des Primers, Kleber aufbringen, etc. machte er alleine.

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Am nächsten Tag konnten die Gewichte schon abgenommen werden und das Boot kam (endlich) ins Wasser.
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havanna
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Re: Flexiteek statt TBS

Beitrag von havanna »

Teil 2....

Am Liegeplatz stand dann noch die Außenfuge an. Zusammen mit der besseren Hälfte ging es an das Abkleben. Man beachte Abklebetechnik Frau und Abklebetechnik Mann.
Auch wenn das dann an der einen oder anderen Stelle vielleicht nicht 100%ig ist, ist das vollkommen o.k. Es geht auch darum, etwas gemeinsam zu machen.

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Nach dem Abkleben konnte dann gefugt werden. War zwar schon 20 Jahre her, das ich das im größeren Stil gemacht hatte, aber nach zwei Metern erinnert man sich wieder an die beste Technik.

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Das Fugen mit Abkleben benötigte noch etwas 10 Stunden Arbeitsaufwand.

Kommen wir zum Ergebnis.... Wir sind mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Vor allem wenn man die Ausgangssituation kennt mit dem verkorksten Antirutsch auf dem alten TBS.

Die Farbe, für die wir uns entschieden hatten, ist weathered - also "verwittert". Der Spaß hat uns 2550 Euro gekostet (beim bekannten Anbieter lag das etwa 8 Monate ältere Angebot bei 3300 Euro - nur Material!). Aber das war und ist es uns wert.

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